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Ein Reisebericht von Patricia Stahl

Von der Industriestadt ins Fischerdorf

Die Tauchbasis Mavi Diving in Kas an der lykischen Küste betrieben von Burak Gültekin und Hanne Bansen war 2006 und 2007 Ziel meiner TL1- bzw. TL2-Prüfung. Nach ca. 3 ½ stündigem Flug von Düsseldorf nach Antalya ging es jeweils abends mit dem Reisebus in 4 (!) Stunden an der Küste entlang und teilweise durch das Taurusgebirge hindurch in den kleinen, pittoresken Fischerort Kas.

Wer in letzter Zeit schon einmal in Antalya war, wird wissen, was für eine hässliche Hafen- und Industriestadt dies ist: Eigentlich hauptsächlich als Verkehrsknotenpunkt für den Tourismus gebaut, gibt es dort regelrechte Hochhausviertel sowie eine 8-spurige Autostrasse, welche die in „Strandnähe“ aus dem Boden gestampften Hotelanlagen vom maximal 20 m breiten Sandstrand trennt.

Kommt man nach langer Anfahrt endlich in Kas an, bietet sich ein völlig anderes Bild: Das Städtchen mit ca. 5.000 Einwohnern schmiegt sich terrassenförmig an die hochaufragenden Gebirgsausläufer an und bietet recht malerische Blicke sowohl von Land- als auch Seeseite auf die Umgebung. Einzig seltsam erscheinen die im Rohbau befindlichen Neubauten in einigen Hanglagen. Dies ist einfach zu erklären: Damit die Touristen nicht durch Baulärm gestört werden, herrscht während der gesamten Urlaubssaison ein absoluter Baustopp für alle Vorhaben. Erst nachdem der letzte Tourist die Stadt verlassen hat, darf weitergebaut werden!

Alles geht seinen geregelten Gang, man kann die Fischer im Hafen beim Reparieren ihrer Netze beobachten, im Städtchen finden sich Teppichhändler, Frisöre, Silber- und Goldschmieden, Antiquitätenhändler. Es gibt reichlich Geschäfte des täglichen Bedarfs, Supermärkte, Cafés, Restaurants usw. Sogar eine aus den Bergen kommende Naturquelle befindet sich mitten auf dem Marktplatz. Hier versorgt sich die Bevölkerung und so mancher Tourist mit frischem Mineralwasser (offensichtlich tatsächlich ungefährlich, da aus beiden Reisegruppen niemand krank wurde, der die Quelle nutzte!). Die aus anderen Gegenden bekannte Aufdringlichkeit existiert in Kas überhaupt nicht: Man kann jeden Laden betreten und sich umsehen, ohne angesprochen zu werden. Erst, wenn man sich hilfesuchend umsieht, kommt der Besitzer und fragt auf englisch, ob er helfen kann.

Nur wenige Touristen

Der Tourismus ist („dank“ der weiten Anreise!?) eher mäßig, hauptsächlich Deutsche, Engländer und einheimische Besucher hielten sich im September 2006 bzw. Juni 2007 in Kas auf. Hotels gibt es einige, buchbar über diverse Veranstalter. Unsere Gruppen waren zu beiden Terminen im Hotel Linda in einer Sackgasse oberhalb der Tauchbasis untergebracht: ein kleines, vierstöckiges Hotel mit zwei Gebäudetrakten und Balkon zu jedem Doppel- bzw. Dreibett-Zimmer. Die Zimmer waren sehr sauber (kein Ungeziefer!), es gab ein voll ausgestattetes Bad mit Dusche und sogar Fön. Die Handtücher wurden auf Wunsch täglich gewechselt. Als Stadt der kurzen Wege geht man in Kas meistens bergauf oder bergab. So betrug der Weg zur Tauchbasis knapp 5 Minuten. Von der Basis zum Hafen, wo das Tauchboot „Mavi“ (= blau) liegt, waren es nochmals ca. 7 Minuten.

Die Basis

Was das Tauchen betrifft, fallen sofort einige Vorzüge gegenüber anderen Basen auf: Das Tauchgerödel wird zur 1. Ausfahrt vom Basenbesitzer Burak mit dem Bus bzw. Hänger vom Hotel abgeholt und direkt vor das Boot gefahren. Man muss seine Sachen nur noch aufs Boot holen, sich einen Platz aussuchen und die unter der Sitzbank befindliche Kiste auffüllen bzw. die Anzüge auf die in der Bootsmitte befindlichen Kleiderbügel hängen. Über der Sitzbank gibt es dann noch für jeden ein Fach für die Klamotten, die während der Ausfahrt möglichst trocken bleiben sollen.

Die Tauchtasche/Kiste wird von Burak wieder zum Hotel gebracht und dort diebstahlsicher eingelagert. Die Tauchklamotten bleiben nun bis zum Ende der Tauchgänge an Bord der Mavi und werden abends nach Rückkehr in den Hafen vom Bootsjungen, der auf dem Schiff übernachtet, damit die Klamotten bewacht sind (!), mit Süßwasserduschen (keine Tonnen!) gespült. Flaschen zum Tauchen gibt es in drei Größen: 10l, 12l, 15l, wahlweise auch mit Nitrox 32. Das Blei liegt in 1 kg- und 2 kg- Stücken in einer Kiste und wird bei der 1. Ausfahrt ausgegeben.

Unser Boot, die "Mavi"

Die Mavi ist mit allen sicherheitsrelevanten Ausrüstungen wie GPS, UKW-Funk, Sauerstoffsystem (constant flow), Erste-Hilfe-Koffer, sämtlichen seemännischen Rettungsmitteln sowie Beiboot mit Außenborder ausgestattet. Es gibt ein großes Sonnendeck mit Liegematratzen zum Sonnen in der Mittagspause bei Ganztagesfahrten oder für die nichttauchende Begleitung. Am Heck befinden sich neben der taucherfreundlichen (Hühner-)Leiter zwei Süßwasserduschen zum Spülen der Ausrüstung oder nach dem Schnorcheln im Meer. Das Schiff hat außerdem eine supersaubere Toilette, die von den Damen gern auch als Umkleide genutzt wird.

Besonderes Highlight auf dem Boot: die kleine Küche mit stets prall gefülltem Getränke-Kühlschrank ( gegen Dehydratation!!!) und Kochecke, in der bei Ganztagesfahrten sehr schmackhafte, vollwertige Mahlzeiten von Kapitän und Mannschaft gezaubert werden. Bütterken mitnehmen entfällt also. Sofern man nicht – wie bei einer TL-Prüfung – Vollverpflegung gebucht hat, sind alle beschriebenen Sachen gegen kleines Geld nach persönlicher Strichliste zu bekommen, was später zusammen mit den Tauchgängen auf der Basis abgerechnet wird. Der Tagesablauf auf dem Boot kann wahlweise halb- oder ganztägig gestaltet werden. Es werden ca. 20 verschiedene Tauchplätze angefahren, von denen wir während der Prüfungen allerdings max. 8 – 9 kennengelernt haben. Allerdings waren wir ja auch nicht zum Spaß dort.

Wir sind ja nicht zum Spaß hier...

Auffallend ist jedoch bei allen Plätzen, dass locker Tiefen im mittleren 20 m- Bereich direkt beim Hineinspringen erreicht werden können. Es geht also richtig tief, wenn man denn will oder in der Prüfung „muß“ und das Belüften des Jackets beim Sprung ins Wasser ist hier zwingend erforderlich, will man nicht gleich auf Tiefe durchschießen. Teilweise gibt es schöne Amphorenfelder in unterschiedlichsten Ausführungen zu bewundern, teils nur in Scherben, teils sehr gut erhaltene, riesige Gefäße. Auch an Wracks, teilweise durchtauchbaren Meeresgrotten und anderen „Monumenten“ mangelt es den Tauchplätzen nicht.

Während unserer Tauchgänge gab es einen gesprengten Baumwollfrachter, der sich über ein Riff zwischen 20 m und knapp über 40 m „verteilt“, zu bewundern. An anderen Stellen lagen u.a. ein aus der Landwirtschaft stammendes Sprühflugzeug (auf ca. 22 m), ein im vergangenen Jahr abgebranntes Ausflugsboot (24 m), und in einer relativ flachen Bucht neben einem bildhauerisch gestalteten Steinhai im Flachbereich ein weiteres Holzwrack, dass allerdings hauptsächlich nur noch aus Spanten besteht.

Das Betauchen der Plätze ist immer wetterabhängig. So hatten wir im September 2006 während unseres Aufenthaltes sehr hohe Luft- (mind. 35° C) und Wassertemperaturen (27° C bis 40 m Wassertiefe). Es herrschte nur leichter Wind, das Meer war sehr ruhig. Somit konnten fast täglich neue Plätze angelaufen werden. Allerdings gab es kaum Flora und Fauna, welche die Übungen hätten „stören“ können. Somit ideal für Prüfungen: Da man nichts sieht, kann man sich voll auf die Übung konzentrieren.

Die zweite Prüfung

Ganz anders im Juni 2007: Es gab Tage mit Starkwind, die See war wesentlich rauher, und das Wasser hatte max. 21° C.
Diesmal konnten wir zwar nicht viele verschiedene Plätze besuchen, hatten dafür aber deutlichen Bewuchs an den Felsen, der teilweise bis 20 m Tiefe von Nacktschnecken abgeweidet wurde. Es gab Gruppen größerer Zackenbarsche, Flötenfische, Bärenkrebse, Sepien, Schraubensabellen und Steckmuscheln in stattlichen Größen, Anemonen, verschiedene Blenni-Sorten am Wrack, einen kleinen Mittelmeer-Drückerfisch (!), und diverse große Oktopusse. Auf Nachfrage bestätigte Hanne, dass bei kälteren Wassertemperaturen wesentlich mehr Leben zu beobachten ist.

Alles in allem sind Basis und Tauchschiff super sauber und bestens geführt. Alles ist geordnet, es gibt keine „Huddelei“, selbst beim Entern des Bootes nach dem Tauchen ist die Mannschaft behilflich. Für den Fall, dass mal was kaputt geht, hat Burak sogar Werkzeug und Ersatzteile an Bord. Und wenn es außerhalb der taucherischen Aktivitäten Probleme oder Schwierigkeiten gibt, helfen Hanne und Burak mit ihren Sprachkenntnissen sofort weiter.

Und danach?

Nach dem Tauchtag trafen wir uns abends im Cafe-Restaurant direkt neben der Basis. Abgesehen von sämtlichen Kalt- und Warmgetränken, die man sich vorstellen kann, gab es dort sehr gutes und reichhaltiges Essen zu moderaten Preisen und das berühmte Möwenpick-Eis. Dort befindet sich auch einer der kleinen „Privatstrände“ von Kas. Es handelt sich dabei um an die Felsen über dem Meer gebaute Plattformen/Sonnenterrassen mit Liegen und Sonnenschirmen. Leitern führen hinunter zur vom Hafen durch Bojenleinen abgetrennten Schwimm- und Schnorchelzone. Wer in Kas Sandstrand sucht, ist fehl am Platze. Ausflüge konnten wir mangels Zeit keine machen, aber gegenüber von Kas liegt die griechische Insel Mais, auch Castellorizo genannt. Diverse Ausflugsboote im Hafen bieten Halb- und Ganztagestouren auf die Insel an.

Auch ist Myra, die Stadt des heiligen Nikolaus, nicht weit und kann besichtigt werden. Direkt in Kas laden Felsensarkophage, Höhlen und die außerhalb der Stadt liegende Amphittheater-Ruine zum Besuch ein. Für sportaktive Touris gibt es u.a. Kajakwandertouren auf dem Meer oder in Gebirgsflüssen. Wer mit Quad oder Roller die Küstenstraße oder die Bergregion erkunden will, kommt günstig weg: Ein neuer, technisch einwandfreier Roller mit zwei Helmen kostet am Tag 15,00 Euro zzgl. dem verfahrenen Benzin.

Mein Fazit

Nach bestandener Prüfung. Willkommen zurück.

Wenn man einen ruhigen, stressfreien Tauchurlaub auf einer supergeführten Basis mit kulturellem Touch möchte und keine Touristenansammlungen mit Discos oder lautem Verkehr sucht, und die Familie auch mit einem Stein“strand“ zufrieden ist, sollte man nicht an diesem (noch) beschaulichen Fleckchen in Lykien vorbeigehen.