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Ein Reisebericht von Patricia Stahl

In den NRW-Herbstferien steuerten wir nach über 10 Jahren erstmalig wieder gen Rotes Meer, um dieses Mal dem mittlerweile ebenfalls tauchenden Nachwuchs, der beim ersten Besuch „nur Bauch“ gesehen hatte, die Schönheiten dieses Meeres näher zu bringen. Nachdem unsere Erkundigungen auf der boot ergeben hatten, dass während der angepeilten Reisezeit (übrigens Hauptsaison, weil es dann nicht mehr so heiß wie in den Sommerferien ist!) zwar reichlich Hotelkapazitäten, aber keine freien Flüge mehr zu bekommen waren, hatten wir im Reisebüro mehr Glück und ergatterten mit einem Pauschalreiseveranstalter die letzten drei freien Plätze auf dem LTU-Flieger.

So hoben wir dann Ende September mitsamt Tauchgerödel frühmorgens von Düsseldorf ab, um fast fünf Stunden später in Marsa Alam ägyptischen Boden zu betreten. Bei unserem ersten Besuch im Land der Pyramiden 1996 mussten wir über Hurghada fliegen und einen über zweistündigen Transfer durch die Wüste nach El Quseir in Kauf nehmen, weil der Flughafen Marsa Alam noch nicht existierte. Es empfing uns ein kleiner, aber sehr sauberer Flughafen mit einer funktionierenden Klimaanlage und ohne Stromausfälle.

Die aus dem Flugzeug strömenden Urlauber wurden sofort in der Empfangshalle in Schlangen den jeweiligen Touristikunternehmen zugeordnet, deren Vertreter zu zweit oder dritt die Personalien/Hotellisten überprüften, das obligatorische Visum in die Pässe klebten, und Kurzinfos zum weiteren Procedere des Reiseverlaufs gaben. Nach der Passkontrolle rollten auch schon die Kofferbänder an und in kürzester Zeit waren die Koffer und Kisten auf kostenfreien Trolleys verstaut.

Vor dem Flughafen warteten weitere Touristen-Guides, die ihre Gruppen zum klimatisierten Bus begleiteten, das Gepäck verstauten, und bei Abfahrt das Geld für die Visa einsammelten. Nach etwa 50-minütiger Fahrt auf der Küstenstrasse gen Norden, erreichten wir unser Hotel "Pensee Royal Garden", welches zusammen mit dem "Utopia Beach Resort" und einer kleinen Shoppingmeile einen oasenähnlichen Hotelkomplex mitten in der Wüste bildet.

Im Gegensatz zu früher gab es nur noch zwei Kontrollen der anreisenden Gäste: ein Mal an dem Hotelkomplex etwa 500 Meter vorgelagerten Zaun und direkt an der Empfangshalle, wo man sein Gepäck selbst durch einen Detektor schieben musste. Bei der Zimmerwahl hatte es sich gelohnt, die "Superior Junior Suite" mit Meerblick für angegebene drei Personen zu buchen. Wir erhielten ein großzügiges Parterrezimmer mit großer Terrasse, drei Kingsize-Einzelbetten, Sat-TV, Kühlschrank, Klimaanlage, Riesen-Kleiderschrank und großem Wannenbad, sogar ein Fön war vorhanden.

Da wir All inclusive gebucht hatten, gab es die Möglichkeit, morgens und abends auf der Terrasse oder im klimatisierten Speisesaal zu essen. Sämtliche Speisen wurden in Buffet-Form angeboten, so dass man immer etwas finden konnte. Abends gab es je Wochentag einen Themenabend (z.B. Italienisch, Arabisch, International, Deutsch usw.). Neben einem riesigen Salatbüffet mit fünf verschiedenen Dressings ist auch das Nachspeisen-Buffet erwähnenswert. Einfach lecker, was da jeden Tag aufgefahren wurde!

Mittags erwartete ganz Hungrige ein ebenfalls reichhaltiges Kalt-/Warmbuffet mit wechselnden Gerichten am Strand. An einem Tag gab es eine Meeresfrüchte-Pfanne mit Krebs- und Muschel-Sorten, für die man in deutschen Restaurants reichlich gezahlt hätte! Das Essen wurde in einer riesigen, mit Palmenwedeln bedachten Hütte serviert. Wem das Essen im Pensee Royal Garden nicht zusagte, der konnte auch das Angebot des Utopia Beach-Hotels nutzen. Die Getränke – alkoholisch wie nicht-alkoholisch – waren vollständig im Reisepreis enthalten. Für die Nacht konnte man sich an der Hotelbar in der Lobby mit gekühlten 0,5l-Wasserflaschen eindecken, die dann sofort in den gut funktionierenden Kühlschrank im Zimmer wanderten. An der Poolbar gab es zudem ab 16 Uhr Eis im Hörnchen und ab 17 Uhr Tea-Time mit Kaffee, Tee und Kleingebäck.

Der weitläufige Sandstrand mit Sonnenschirmen, Holzliegen mit Matrazenauflagen und Paravents als Windschutz verfügte über eine flache Lagune, in welcher sich das Wasser täglich auf Badewannenniveau bewegte. Zum Entspannen am Nachmittag ideal. Neben dem "subversiven" Hauptsport gab es von Hotelseite her jede Menge Abendanimation mit Happy Disco-Tanz- und Karaoke-Wettbewerben, Volleyball, Tennis und Fußball am Strand, Strandreiten auf Araberpferden oder Dromedaren sowie Quadfahren in der Wüste. Natürlich konnte man auch den obligatorischen Pyramidenbesuch ("Trümmer gucken") als Fakultativ-Ausflug buchen.

Zur Tauchbasis "Sub Aqua" waren es etwa sieben Minuten Fußweg durch den Hotelkomplex. Interessanterweise gab es noch eine weitere, von Einheimischen geführte Basis vor Ort, die sich allerdings auf Ganztagesausfahrten mit Booten spezialisiert hatte. Da Sub Aqua täglich Gleiches anbot, war diese Basis jedoch hauptsächlich mit dem Säubern der in der Bucht liegenden Boote beschäftigt.

Nach offizieller Anmeldung im Sub Aqua-Büro und Ausfüllen der obligatorischen Laufkarte für jeden Taucher auf der Basis bekamen wir eine ausführliche Einweisung sowie das jeweils gewünschte Blei mit Kleinteile-Kiste ausgehändigt. Im Geräteraum standen etliche Wandregale für die Gasttaucher zur Verfügung, so dass wir uns ein Plätzchen für unsere drei Kisten nebeneinander aussuchen konnten. Jeder Gast hatte außerdem einen Bügel für seinen Anzug und darunter einen weiteren für sein Jacket zur Verfügung. Somit waren sämtliche Klamotten auf einen Blick zusammen.

Im Außenbereich der Tauchbasis befanden sich neben einem Fußbecken zum Spülen der Füßlinge nach dem Tauchgang zwei Becken für Flossen, Jackets und Anzüge, Messer, Dekobojen, Schnorchel sowie ein kleines Rundbecken für empfindliche Teile wie Maske, Atemregler und Fotoausrüstung. Die Anzüge und Jackets konnten zum Trocknen auf Bügel gehängt werden, Füßlinge und andere Neopren-Kleinteile kamen auf "Fishbone"-Trockenständer.

Wer über ein Nitrox-Brevet verfügte, konnte wahlweise mit Luft oder Nitrox ohne Aufpreis ins Wasser gehen – ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Sicherheit, insbesondere beim Tauchen mit Lufttabelle! Die Flaschen waren ausschließlich aus Alu und in Größen von 6l (für den Nachwuchs), 10l und 12l (Langversion) erhältlich. Neben zahlreichen Halb- und Ganztags-Ausflügen mit Booten oder Jeeps konnte man auch etwas entferntere Ecken des Hausriffes mit einer Einfach-Fahrt per Zodiac erkunden (hin mit Boot – zurück tauchen). Das Hausriff teilte sich von der Hausbucht ins Nordriff und Südriff, wobei auf beiden Seiten flache Lagunen bis max. 10 m Tiefe vorhanden waren. Ideal zum Eingewöhnen!

So gab es die interessanteste Begegnung mit einem "UW-Eingeborenen" just in der südlichen Lagune: Beim Eingewöhnungs-Tauchgang hatte ein kapitaler Napoleon von ca. 1,20 m Größe unter einem Korallenblock Schutz gesucht. Natürlich hatten wir die Kamera beim Eingewöhnungs-Tauchgang nicht dabei! Als dann weitere Taucher hinter uns in diese Ecke der Lagune drängten, hatte der Napoleon den Kaffee auf und verzog sich in tiefere Gefilde. Ansonsten sind Begegnungen mit fast sämtlichen Rotmeer-Arten garantiert. Lediglich Schnecken gab es nicht so häufig. Des weiteren waren Haie, Delfine und Schildkröten eher selten.

Die Lagune am Nordriff ist ebenfalls sehenswert. Allerdings muss man sich hier auf einen längeren Tauchgang gefasst machen: allein das Umrunden der Lagune dauert ca. 30 min. Hinzu kommt der Rückweg zum Einstieg, der bei besten Voraussetzungen (ruhige See, keine Strömung) noch einmal locker 35 – 45 min. in Anspruch nimmt, da man nicht gerade auf den Einstieg zuschwimmt, sondern sämtliche Buchten des Riffprofils abtauchen muss.

Tiefenmäßig sind – abgesehen von den Basisvorgaben – keine Begrenzungen gegeben. Das Südriff fällt etwas seichter ab und verfügt über viele, große Sandflächen im 20m-Bereich. Das Nordriff hat dagegen Steilabfälle, die von der Wasseroberfläche auf bis über 30m reichen und nur von schmalen Plateaus unterbrochen werden, um dann weiter abzufallen. Das Utopia Beach-Riff gehört – obwohl in den oberen Riffregionen schon Abnutzungen durch die Schnorchler sichtbar sind – (noch!) zu den schönsten Hausriffen, die das Rote Meer zu bieten hat.

Zusammengenommen mit dem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis des Veranstalters FTI bezüglich Hotel und Verpflegung war es eine rundum gelungene Urlaubswoche, die durchaus nach Wiederholung bei nächster Gelegenheit bzw. Empfehlung für andere Interessierte ruft.