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Und noch ein weiteres Tauchgewässer unseres Nachbarlandes an der Nordseeküste bekommt mindestens einmal im Jahr Besuch von uns "subversiven Elementen": Fährt man an Rotterdam vorbei Richtung Westen stößt man auf einen ehemaligen Waal-Arm, der vor langen Jahren eingedeicht und somit von der Nordsee und dem benachbarten Hafenbecken abgeschnitten wurde – das Oostvornse Meer.

Mehrere Kilometer lang, ca. 700 m breit und bis zu 45 m tief bietet dieses „Meer“ heutigen Freizeitsportlern wie Kanuten, Surfern, Anglern und Tauchern genug Platz zur individuellen Entfaltung. Die einzelnen Einstiegstellen sind eingeteilt und gekennzeichnet, so dass unangenehme Begegnungen zwischen Taucherkopf und Surfbrett oder Kanu ausgeschlossen werden.

Zu den Besonderheiten unter der Wasseroberfläche zählen neben tausenden von Muscheln, großen Seeforellen (ab 60 cm aufwärts), Aalmuttern und anderen Grundfischen mehrere Wracks. Die ältesten stammen aus dem 17. Jahrhundert. Aber auch eine imposante Kurbelwelle lädt am Einstieg "Baardmannetje" auf 16 m Tiefe zum Besuch ein.

Am Einstieg "Stormvogel" wurde speziell für Taucher eine Art "Erlebnispark" unter Wasser eingerichtet. Übungsplattformen auf bis zu 27 Metern Tiefe sowie diverse Auto- und Bootswracks finden sich entlang einer eigens gelegten Reifenspur, die das Auffinden der Sehenswürdigkeiten auch ohne Kompassführung zum Kinderspiel macht. In einem Wohnwagen und der benachbarten, betauchbaren Frittenbude haben sich Stichlingsschwärme angesiedelt, die im Licht der Unterwasserlampe wie eine silbrig glänzende Wand anmuten. Ein schwebend aufgehängter Heißluftballonkorb rundet das Gesamtbild ab. In jedem Jahr werden neue Highlights versenkt. So laden nun auch eine Bushaltestelle, ein großer schmiedeeiserner Anker und eine ausrangierter Schwimmbad-Rutsche, die jetzt von Tauchern durchtaucht werden kann, zum Besuch ein.

Nutzt man am Holzsteg den letzten Einstieg, findet sich nach kurzer Tauchphase auf 17 m ein Canyonrand mit Steilwand, die schnurgerade auf 27 m abfällt. Infolge der Filterfunktion der Muscheln sind während des ganzen Jahres und auch bei hohem Taucheraufkommen relativ gute Sichtweiten möglich. Dafür sollte der interessierte Taucher mindestens halbtrocken ins Wasser steigen: die Temperaturen sind ganzjährig empfindlich kühl.

Nach dem Tauchen hilft am Stormvogel eine gute Infrastruktur dem frostbeulengeschädigten Sportler wieder auf die Beine. Während in zwei Tauchshops mit Füllanlagen die Luft für den zweiten Tauchgang nachgepresst wird, laden zwei Restaurants zu holländischen Spezialitäten ein. Es können sogar "Trekker"-Hütten für mehrtägige Tauchaufenthalte angemietet werden. Extrem frierende Zeitgenossen können sich in einem Außencontainer mit Duschen oder in geheizten Umkleideräumen mit heißen Duschen akklimatisieren und an verschiedenen Süßwasserschläuchen das Brackwasser aus ihrem Tauchequipment spülen.

Da die Entfernung Duisburg – Oostvorne ca. 240 km beträgt, sollte man allerdings frühmorgens starten. Dann sind bei Ankunft noch nicht so viele unserer Nachbarn im Wasser und der zweite Tauchgang kann für den frühen Nachmittag geplant werden.

Auf dem Rückweg über die niederländischen Autobahnen kommen wir kurz vor Nijmegen an den „Groene Heuvels“ vorbei. Die ehemalige Sandbaggerei hat hier ein 23 m tiefes Seengebiet entstehen lassen, das heute als Naherholungsgebiet mit Badestrand für Schwimmer und Taucher freigegeben ist. Sogar Toilettenanlagen und ein öffentliches Telefon (für etwaige Taucher-Notfälle) sind direkt am Strand platziert.

Der See bietet nach Durchschwimmen der mit Bojenseilen abgetrennten Nichtschwimmerzone ein relativ steil abfallendes Tiefenprofil, so dass bereits nach wenigen Metern zweistellige Tiefen erreicht werden können. Neben Übungsplattformen, UW-Wegweisern und sonstigen „Taucher-Sehenswürdigkeiten“ gibt es die typische Süßwasserfauna und –flora zu beobachten. Das kleine Bootswrack der „Titanic“ wechselt leider häufig seinen Standort und will gesucht werden. Kapitale Riesenkarpfen (ab ca. 80 cm aufwärts) verschönern mit Glück den Tauchgang.

Seit 2007 gibt es an einem der Taucherparkplätze sogar ein vollständig eingerichtetes Tauchzentrum mit Füllstation, Verleih, beheizten Umkleiden, warmen Duschräumen und Restaurant.

Frühmorgens sind die Sichtweiten am besten (siehe Photos, die im Herbst aufgenommen wurden). Nach Nijmegen lohnt sich ein Tagesausflug mit zwei Tauchgängen oder das Entsalzen der Ausrüstung bei der Rückkehr von der Küste in jedem Fall. Und für Frühaufsteher ist eine Supersicht garantiert!