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Die Anfahrt

An einem sonnigen Samstagmorgen um 9 Uhr starteten wir zu dritt unseren „Vereins“-Tagesausflug zum Blausteinsee bei Eschweiler. Linksrheinisch nutzten wir zunächst die Autobahnen Richtung Aachen, um dann nach knapp 100 km bei Eschweiler auf die Landstraßen abzufahren. Trotz GPS-Führung mussten wir etwas suchen, bevor wir endlich ein recht klein geratenes, eher verschämtes Hinweisschild „Erholungsgebiet Blausteinsee“ entdecken konnten. Nach einer ewig langen Zugangsstraße kamen wir auf dem Wassersport-Freizeitgelände am Ufer des Sees an. Bevor wir uns auf dem dortigen Taucherparkplatz eine Stelle für’s Fahrzeug suchen konnten, mussten wir zunächst die obligatorischen 7,50 Euro Taucher-Tagesgebühr pro Person entrichten.

Das Gewässer

Nachdem wir unser Plätzchen für den Tag gefunden hatten, nahmen wir zunächst die vorhandenen "Buden" in Augenschein. Direkt an der Einfahrt zum Parkplatz gibt es eine Sonnenterrasse mit Mini-Spielplatz und eine Pommesbude, die auch heiße Schokolade, Kaffee und ähnliche Aufwärmer verkauft. Damen- und Herrentoilette befinden sich in einem zweiten Container. Etwa 200 Meter weiter auf einer terrassenförmigen Anhöhe ist die Tauchbasis "Tauchaixperte" mit Umkleide, Füllstation für Luft und Nitrox sowie Tauchklamotten-Leihservice stationiert.

Das mehr oder minder leicht zum See abfallende Gelände weist Strauch- und Gräserbewuchs auf. Rechts von der Taucher-Einstiegstelle liegen zwei Bootsstege, an denen Segeljollen festgemacht sind. Weiter rechte Hand findet sich eine Einlassstelle für Kite- und Windsurfer sowie eine durch Bojen gekennzeichnete Flachwasser-Badezone. Die auf älteren Karten eingezeichnete, durch Bojen gekennzeichnete Taucherzone existiert nicht mehr, weil die Bojen bei 30 Meter maximaler Wassertiefe gesetzt worden waren, der See mittlerweile aber auf 40 Meter-Niveau angekommen ist. Da sowohl die Segler als auch die Surfer den gesamten See abfahren können, besteht für Taucher Mitnahme-Pflicht einer Notfall-Boje. Diese muss in jedem Fall bei einem Freiwasser-Aufstieg, der nicht in Ufernähe stattfindet, aufgelassen werden.

Die Ausdehnung des Sees ist gigantisch: 95 Hektar Wasserfläche, es gibt jedoch Bestrebungen, den See um weitere 10 Hektar zu erweitern. In der Mitte des Sees, ca. 700 Meter entfernt, befindet sich die Belüftungsfontäne, die allerdings zum Winterhalbjahr abgestellt wird. In deren Nähe und durch Bojen gekennzeichnet, wurde ein Kutter für Tieftauch- und Wrackbrevets versenkt. Dieser ist allerdings ausschließlich mit einem Motorboot und gegen Gebühr zu erreichen. Für die Taucher-"Nahziele" liegt in der Füllstation eine große Karte aus. Diverse Übungsplattformen sind auf 6, 9, und 20 Meter versenkt und durch Bojen gekennzeichnet. Unter Wasser führt eine gespannte Leine von Plattform zu Plattform, so dass nicht unbedingt eine exakte Kompassführung notwendig wird.

Und das gibt's zu sehen

An künstlichen Attraktionen gibt es: Lkw- und Unimog-Fahrerkabinen, einen Computer-Arbeitsplatz, einen geschmückten Weihnachtsbaum mit elektrischen Kerzen und Sitzbank, diverse Metallrohre mit geringem Durchmesser, ein Fahrrad, einen Transporttiegel aus Zeiten des Tagebaus, ein Zeltplatz mit Grill sowie eine aufgetakelte Segeljolle auf 25 m Tiefe. Östlich des Taucheinstiegs reicht ein "Wald" (eher eine Ansammlung von Sträuchern) von ca. 15 m bis 30 m Tiefe. Rechts von der Slipanlage soll es eine adäquate Stelle bis ca. 20 m Tiefe geben. Einige – auf älteren Karten eingezeichnete – "Attraktionen" wie Engel und Schwan sind offenbar bereits wieder entfernt worden. Auf der aktuellen Karte sind sie jedenfalls nicht mehr verzeichnet.

Natürliche Attraktionen fehlen dem See aufgrund seines jungen Daseins jedoch noch: geringe Fischbestände soll es geben, die haben allerdings reichlich Platz zum Rückzug vor nervigen Tauchern. Die einzigen Tiere, die wir beobachten konnten, waren europäische (!) Süßwasser-Krebse (mittlerweile sehr selten, weil durch die eingeschleppten amerikanischen Krebse oft verdrängt). Diese hatten zum Teil stattliche Abmessungen (bis ca. 25 cm Länge) und waren recht zahlreich und agil vertreten.

Unser Fazit

Bis ca. 13 Meter ist das Gewässer mühelos auch von Nasstauchern zu bewältigen, da hier normale Baggersee-Temperaturen herrschen. Darunter ist es allerdings – wie abgeschnitten – sofort nur noch 4 Grad „warm“. So empfiehlt sich dringend mindestens ein sehr gut sitzender Halbtrockener oder besser gleich ein Trocki. Die Sicht war für ein so großes und tiefes Gewässer und die Menge an Tauchern, die bereits vor uns vor Ort waren und den See mit Übungen umgegraben hatten, eigentlich gut: in 22 Metern Tiefe war es taghell, eine Lampe nicht nötig. Ab 15 Metern Tiefe konnte man beim Blick zur Wasseroberfläche die Wellenbewegungen des Wassers sehen.

Alles in allem präsentierte sich der Blausteinsee als ein durchaus für Taucher ausbaufähiges und zukünftig sicherlich interessantes Tagesziel, welches mit seiner bereits vorhandenen Infrastruktur durchaus näheren, niederländischen Tauchzielen Konkurrenz machen kann. Momentan ist das Gewässer eher als Übungs-See geeignet. Wenn allerdings die ortsansässigen Taucher ihrer Phantasie freien Lauf lassen und sich die Fauna und Flora weiterentwickelt, kann man demnächst ein richtiges Kleinod in der Nähe betauchen.